DAAD Projekt

Aufbau des Studiengangs „Computer Simulation in Science and Engineering“ an der Bethlehem University

Die Bethlehem Universität hat sich zum Ziel gesetzt, die Bildungslandschaft in Palästina zu modernisieren und Studierenden neue, zukunftsweisende Berufsperspektiven zu eröffnen. In enger Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen, der TU Darmstadt und der Universität Erlangen-Nürnberg, unter Federfehrung des Instituts für Mechanik der UDE, wurde daher der Bachelorstudiengang „Computer Simulation in Science and Engineering“ ins Leben gerufen. Dieser Studiengang verknüpft theoretische und ingenieurwissenschaftliche Grundlagen mit modernsten Computersimulationsmethoden. Dadurch werden die Studierenden auf internationale Karrierewege vorbereitet, die insbesondere in den Bereichen Forschung, Entwicklung und digitale Industrie eine entscheidende Rolle spielen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Förderung weiblicher Studierender, die in dieser technischen Disziplin überdurchschnittlich stark vertreten sind.

Das Projekt adressiert mehrere zentrale Herausforderungen, darunter die geringe Verfügbarkeit hochwertiger technischer Studiengänge in Palästina, die begrenzten Arbeitsmöglichkeiten für Akademiker und die Notwendigkeit, digitale und ressourcenschonende Berufsfelder zu fördern. Durch eine enge Zusammenarbeit mit deutschen Hochschulen wird gewährleistet, dass Studierende eine exzellente Ausbildung erhalten, die internationalen Standards entspricht. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt finanziert und vom DAAD projektiert (Laufzeit 05/2024 bin 12/2027).

Hintergrund & Notwendigkeit des Studiengangs

Die Bethlehem Universität ist eine angesehene katholische Hochschule, die sich seit Jahrzehnten für den Zugang zu hochwertiger Bildung einsetzt. Sie zeichnet sich durch ihre Offenheit gegenüber Studierenden aller Konfessionen aus (21 % Christen, 79 % Muslime) und legt einen starken Fokus auf Chancengleichheit, insbesondere für Frauen (78 % der Studierenden).      Obwohl die Universität akademisch hohe Standards verfolgt, fehlte es bisher an einem technologieorientierten Studiengang.

Mit dem neuen Bachelorprogramm soll diese Lücke geschlossen werden. Die Entscheidung für den Bereich „Computer Simulation in Science and Engineering“ fiel aufgrund mehrerer Faktoren:

  • Hoher Bedarf an technischen Fachkräften mit Simulationskompetenzen
  • Möglichkeit zur Durchführung von Arbeiten im Homeoffice
  • Geringe Infrastrukturkosten im Vergleich zu klassischen Ingenieurstudiengängen
  • Internationale Anschlussfähigkeit durch standardisierte Lehrinhalte

Projektpartner & Internationale Kooperationen

Die Umsetzung des Projekts erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen der Bethlehem Universität (Prof. C. Sansour, Prof. A. Samara) mit deutschen Partnerhochschulen – der Universität Duisburg-Essen (Projektführung Prof. J. Schröder), der TU Darmstadt (Prof. R. Müller, Prof. D. Schillinger) und der Universität Erlangen-Nürnberg (Prof. J. Mergheim, Prof. P. Steinmann). Diese Hochschulen stellen ihr Fachwissen und Lehrpersonal zur Verfügung, um den Studiengang in den entscheidenden Phasen der Implementierung zu unterstützen.

Besonders wichtig ist die Etablierung eines nachhaltigen Lehrbetriebs an der Bethlehem Universität. Dies geschieht durch ein „Train-the-Trainer“-Programm, bei dem deutsche Dozenten lokale Fachkräfte ausbilden, um mittelfristig eine selbstständige Lehre vor Ort zu ermöglichen. Zudem werden digitale Lehrmethoden eingesetzt, um Flexibilität und Wissenstransfer zu maximieren.

 

Förderung & Unterstützungsmaßnahmen

Ein besonderer Fokus liegt auf der Förderung von Frauen in technischen Berufen. Die hohe Anzahl weiblicher Studierender im Studiengang zeigt, dass es hier ein enormes Potenzial gibt, Frauen gezielt auf den digitalen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Um dies zu unterstützen, wurden mehrere Maßnahmen für weibliche Studierende angedacht:

Vergabe von Stipendien für Forschungsaufenthalte in Deutschland

Jedes Jahr erhalten bis zu zehn herausragende weibliche Studierende die Möglichkeit, für drei Monate an einer der deutschen Partneruniversitäten ihre Bachelorarbeit zu schreiben. Dabei werden sie von erfahrenen deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern betreut, erhalten Einblicke in internationale Forschung und können wertvolle Netzwerke für ihre spätere berufliche Laufbahn knüpfen. Diese Maßnahme fördert nicht nur die fachliche Entwicklung, sondern auch das Selbstbewusstsein und die interkulturelle Kompetenz der Teilnehmerinnen.

Spezielle Mentoring-Programme für weibliche Studierende

Durch gezielte Mentoring-Programme werden weibliche Studierende individuell betreut und unterstützt. Erfahrene Tutorinnen und Tutoren stehen den Studentinnen beratend zur Seite – sowohl in fachlicher Hinsicht als auch bei Fragen zur Studienorganisation. Ziel ist es, den Studentinnen eine kontinuierliche Begleitung zu bieten und sie nachhaltig in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu stärken.

Unterstützung von Remote-Arbeitsmodellen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf

In einem gesellschaftlich konservativen Umfeld bieten digitale Arbeitsmodelle eine große Chance, insbesondere für Frauen. Der Studiengang ist gezielt so konzipiert, dass viele der späteren beruflichen Tätigkeiten im Homeoffice ausgeübt werden können. Auch die Lehre wird in hybrider Form angeboten, sodass flexible Lernmodelle realisiert werden können. Diese Ausrichtung ermöglicht es insbesondere Frauen, beruflich aktiv zu sein, ohne ihre familiäre Verantwortung aus dem Blick zu verlieren.

Studieninhalte & Curriculum

Der Bachelorstudiengang ist interdisziplinär aufgebaut und kombiniert Inhalte aus der Mathematik, Physik, Informatik und den Ingenieurwissenschaften. Während die ersten beiden Jahre auf Grundlagenwissen fokussiert sind, liegt der Schwerpunkt im dritten und vierten Jahr auf spezialisierten Methoden der Simulationstechnik.

Die Lehrveranstaltungen umfassen unter anderem:

  • Grundlagen der Mechanik & Physik
  • Programmierung & Algorithmenentwicklung
  • Finite-Elemente-Methoden (FEM) für Strukturmechanik
  • Computational Fluid Dynamics (CFD) zur Strömungssimulation
  • Tensor Analysis & Differential Geometry
  • Simulation dynamischer Systeme

Durch diese Fächer erhalten die Studierenden eine fundierte Ausbildung, die sie optimal auf Berufe in der Industrie und Forschung vorbereitet.

Langfristige Perspektiven & Weiterentwicklung

Die Implementierung eines neuen Studiengangs in einer Region mit begrenzten Ressourcen ist eine herausfordernde Aufgabe. Zu den größten Hürden gehören:

  • Rekrutierung und Ausbildung von lokalen Lehrkräften
  • Gewährleistung der Finanzierung über die Projektlaufzeit hinaus
  • Politische Unsicherheiten in der Region

Das langfristige Ziel des Projekts besteht darin, den Bachelorstudiengang nachhaltig in die Hochschullandschaft Palästinas zu integrieren. Neben der vollständigen lokalen Übernahme der Lehre werden folgende Weiterentwicklungen angestrebt:

  • Einführung eines Masterprogramms „Computational Mechanics“
  • Entwicklung neuer Module, die auf aktuelle Forschungsfragen eingehen
  • Ausbau der Kooperation mit Unternehmen zur Verbesserung der Berufsperspektiven für Absolventen

Mit dem Studiengang „Computer Simulation in Science and Engineering“ wird ein entscheidender Beitrag zur Modernisierung der Hochschulbildung in Palästina geleistet. Durch die enge Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten wird sichergestellt, dass Studierende eine exzellente Ausbildung erhalten, die sie optimal auf den internationalen Arbeitsmarkt vorbereitet. Der Fokus auf digitale Arbeitsmodelle, die gezielte Förderung von Frauen und die nachhaltige Integration lokalen Fachpersonals machen dieses Projekt zu einem einzigartigen und wegweisenden Vorhaben in der Region.